Startseite Kontakt Impressum / Datenschutz
Aktuelles
 

Oper Frankfurt

Aus einem Totenhaus
Oper in drei Akten von Leoŝ Janáček
Text vom Komponisten nach "Aufzeichnungen aus einem Totenhaus" von Fjodor M. Dostojewskij

Musikalische Leitung: Tito Ceccherini
Regie: David Hermann

Auf dem Weg in die sibirische Strafkolonie von Omsk steckte eine Frau Dostojewskij eine Ausgabe des Neuen Testaments zu, darin versteckt ein Zehn-Rubel-Schein. Für den Schriftsteller wurde es zum Instrument der inneren Wandlung. Noch auf dem Krankenbett 1881 verlangte er danach. Der alten, im Zuchthaus entwickelten Gewohnheit folgend, schlug er es inzwischen blind auf. Die Textstelle, auf die er stieß, deutete er als Zeichen des nun unumkehrbar eintretenden Todes: Die Aufzeichnungen aus einem Totenhaus, im Jahr der Bauernbefreiung 1861 im zaristischen Reich veröffentlicht, legten Zeugnis von jener Wandlung ab. Darüber hinaus gaben sie ein eindringliches Bild der grausamen Lebensbedingungen in einem Gefangenenlager. Geradezu paritätisch wurde darin jedes einzelne Martyrium notiert — ein Panorama des Leidens, ein Katalog der Torturen.

»In jeder Kreatur ein Funke Gottes«: diese tiefgründige Formel, die der Komponist über seine Partitur setzte, verband die Oper mit Dostojewskijs Erzählung. Janáčeks im Februar 1927 begonnene und im Mai 1928 abgeschlossene Oper ist revolutionär in mehrfacher Hinsicht. Der späte Janáček verwendet eine radikal  neue Musiksprache, die dem epischen Anspruch des Werkes minutiös gerecht wird. Grobe eruptive Elemente, scharfe Dissonanzen, lakonisch knappe Motive, rhythmische Ostinati und die Behauptung der Wirklichkeitssprache als »Augenblicksfotografie der Seele« bezeichnen die Komposition. Es ist eine Oper ohne sichere Identifikationsinstanzen. Bis auf den kurzen Auftritt der Dirne beherrschen ausschließlich Männer eine Szenerie, deren einziger Bewegungsmechanismus von der ewig monotonen Wiederkehr des Gleichen bestimmt wird und deren symbolischer Ausdruck in einem gefangenen Adler erscheint. Die Sprechmotivtechnik des Komponisten, seine eindringliche Poetik der Transformation von Wort und Musik, zeigt sich hier auf dem Höhepunkt. Als wolle die Oper die desolate Zeitlosigkeit des Lagerlebens selbst zum ästhetischen Strukturprinzip machen, verzichtet sie auf ein eigentliches dramatisches Zentrum. Einzig die Lebenserzählungen der Gefangenen durchbrechen für Momente den Stillstand. Janáček wurde wegen des pessimistischen Gehalts seiner »kollektiven Oper« angegriffen. Dabei erwies sich schon ein Jahrzehnt nach der Uraufführung des Werks dessen Antizipation der totalitären Nivellierung des Individuums als zutreffend.

In tschechischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln.

Premiere:
1. April 2018

Termine:
6., 8., 12., 21., 27. und 29. April 2018

Weitere Informationen:
www.oper-frankfurt.de